Nächste Seite: 3K-Modell
Aufwärts: Klassische Ansätze
Vorherige Seite: Raum-Zeit-Matrix
Inhalt
Anwendungsorientierte Funktionsklassen
Einen anderen Ansatz als die Raum-Zeit-Matrix verfolgen die so genannten anwendungsorientierten Funktionsklassen. Diese Art der Klassifizierung ist auch für die vorliegende Arbeit interessant, denn ihr Hauptmerkmal ist, wie der Name bereits verrät, die Anwendungsorientierung. Deshalb passen die Funktionsklassen gut in das pragmatische Konzept, das diese Arbeit verfolgen soll. In [1] ist nachzulesen, dass Ellis et al. Anfang der 90er Jahre folgende Funktionsklassen unterschieden haben: Nachrichtensysteme, Gruppeneditoren, elektronische Sitzungsräume, Konferenzsysteme, gemeinsame Informationsräume, Agentensysteme und Koordinationssysteme. Diese Einteilung bildet die oberste Hierarchie und wird durch Unterkategorien konkretisiert. Etwa unterscheidet man bei den Konferenzsystemen folgende vier Unter-Arten:
- Nachrichtensysteme:
- Nachrichtensysteme sind für den asynchronen Nachrichtenaustausch zwischen Gruppenmitlgiedern verantwortlich. Das sind meist Textnachrichten, aber auch Grafiken, Töne und Videos können bei einigen Systemen zwischen Sender und Empfänger ausgetauscht werden. Die Verwaltung von Nachrichten wird durch Strukturinformationen geregelt, etwa mittels einer Betreffzeile beim E-Mail-Versand. Die Erweiterung der Funktionalität eines Nachrichtensystems kann empfängerspezifisch oder absenderspezifisch erfolgen. Empfängerspezifisch bedeutet, dass der Empfänger bestimmte Regeln definiert, etwa eine Filterung nach Absenderadresse. Absenderspezifisch bedeutet, dass der Sender etwas spezifiziert und mit der Nachricht verschickt, man spricht dabei von so genannten Skripten. Nachdem der Empfänger die Nachricht erhalten hat, wird das Skript ausgeführt. Das könnte etwa eine Bestätigung über den Erhalt der Nachricht für den Absender sein, die automatisch nach Öffnen der Mitteilung zurückgeschickt wird.
- Gruppeneditoren:
- Gruppeneditoren werden dann eingesetzt, wenn mehrere Bearbeiter an einem gemeinsamen Dokument arbeiten. Auch für die gemeinsame Entwicklung eines Software-Systems sind Gruppeneditoren nötig. Dabei ist der Editor in der Lage, durch Benachrichtigungen die Benutzer auf dem aktuellen Stand der Bearbeitung zu halten. Die Benutzer werden also nicht voneinander isoliert. Bei den Realzeiteditoren arbeiten aktuell mehrere Benutzer am selben Dokument, dabei hat meist nur einer Schreibrechte, alle anderen Leserechte. Die asynchronen Editoren, oder auch Editoren mit Benachrichtigung genannt, verfügen über einen eingebauten Benachrichtigungsmechanismus, der über Änderungen informiert.
- Elektronische Sitzungsräume:
- Elektronische Sitzungsräume sind Sitzungsräume für so genannte face-to-face-Sitzungen, die mit Rechnern ausgestattet sind. Die Rechner werden dabei als Group Support Systems (GSS) eingesetzt, das bedeutet, sie helfen bei der Findung von Gruppenentscheidungen. Ein GSS fasst Meinungen, Zweifel und Einschätzungen zusammen und befragt die ganze Gruppe dazu. So kommt es iterativ zu einer gemeinsamen Entscheidung.
- Konferenzsysteme:
- Konferenzsysteme gibt es in vielen verschiedenen Ausprägungen, man unterscheidet Nicht-Realzeitrechnerkonferenz, Realzeitrechner-Konferenz, Telekonferenz und Desktopkonferenz. Bei der Nicht-Realzeitkonferenz erfolgt eine asynchrone Kommunikation. Oftmals wird dafür E-Mail verwendet. Das Konferenzsystem bereitet dann die Nachrichten entsprechend auf. Eine synchrone Rechnerkonferenz oder auch Realzeitrechnerkonferenz genannt, bietet die Möglichkeit des synchronen Datenaustausches, es besteht jedoch keine Audio- oder Video-Verbindung. Dies ist erst bei der Telekonferenz der Fall, wobei diese die Einschränkung hat, dass eine gemeinsame Bearbeitung von Daten nicht vorgesehen ist. Erst die so genannte Desktopkonferenz schafft die Verschmelzung von Realzeitrechnerkonferenz und Telekonferenz.
- Gemeinsame Informationsräume:
- Gemeinsame Informationsräume haben die Aufgabe, den Informationsschatz der Gruppe zu speichern und zu verwalten. Es gibt vier Kooperationsmodi, die bei der Bearbeitung gemeinsamer Informationen unterschieden werden: Jedes Mitglied bearbeitet einen Teil unabhängig von den anderen (getrennte Verantwortlichkeit); zu einem Zeitpunkt hat immer nur genau ein Gruppenmitglied Vollzugriff (wechselseitig ausschließlicher Zugriff); jedes Mitglied entwickelt seine eigene Version der Dokumente (alternative Versionen); die Mitglieder können gleichzeitig arbeiten und es stehen geeignete Mechanismen zur konsistenten Datenhaltung zur Verfügung (synchroner Zugriff).
- Agentensysteme:
- Ein Software-Agent ist ein Programm oder Programm-Modul, das im Auftrag eines Benutzers bestimmte Aufgaben selbständig ausführen kann. In Bezug auf Groupware sind Agenten Software-Komponenten, die als Teilnehmer menschliche Gruppenmitglieder ersetzen. Sie übernehmen dabei bestimmte Rollen, etwa die Protokollierung einer Sitzung. Agenten agieren dabei normalerweise autonom, das heißt sie können auch ohne direkte Kontrolle durch einen menschlichen Benutzer agieren und kontrollieren ihren inneren Zustand selbst. Sie können außerdem mit anderen Agenten oder auch Benutzern kommunizieren.
- Koordinationssysteme:
- Koordinationssysteme oder auch Workflow-Management-Systeme werden zur Koordinierung von Arbeitsabläufen eingesetzt, dabei unterscheidet man vier Arten, abhängig von der modellierten Information: formularorientierte Systeme, prozedurorientierte Systeme, konversationsorierntierte Systeme und kommunikationsorientierte Systeme.
- Formularorientierte Systeme lehnen sich an den guten alten Umlaufzettel an, der mit dem Dokument von Bearbeitungsstelle zu Bearbeitungsstelle wandert. Nach Ausführen von bestimmten Tätigkeiten wird auf einem Formular unterschrieben und das Dokument weitergegeben. Die Reihenfolge der Bearbeiter legt ein Ablaufplan fest.
- Prozedurorientierte Systeme umfassen mehrere Schritte, die zum Ziel führen. Die kooperativen Tätigkeiten von Gruppenmitgliedern werden in einer Prozedurbeschreibung vorherbestimmt.
- Konversationsorientierte Systeme modellieren die Interaktionen zwischen Gruppenmitgliedern. Die Kooperation basiert auf dem Austausch sprachlicher Äußerungen, die auf elektronische Nachrichten abgebildet werden.
- Kommunikationsorientierte Systeme modellieren komplexe Kommunikationsstrukturen innerhalb einer Organisation. Diese Struktur drückt die Organisationsstruktur aus und beinhaltet Rollen.
Nächste Seite: 3K-Modell
Aufwärts: Klassische Ansätze
Vorherige Seite: Raum-Zeit-Matrix
Inhalt
joerg
2003-04-13