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Funktionale Strukturierung

Für die in der Aufgabenstellung geforderte Klassifizierung eignet sich keine der bisher vorgestellten Strategien zu 100 Prozent. Gute Ansätze zeigen aber die anwendungsorientierten Funktionsklassen (siehe dazu Abschnitt 2.1.2) und die Systemklassen des 3K-Modells (siehe dazu Abschnitt 2.1.3). Aus diesem Grund wird eine Art Hybridstrategie verwendet, in der das Beste aus diesen zwei Modellen vereinigt und das Resultat geeignet ergänzt wird. Die Idee einer Strukturierung, die von der Funktionalität bestimmt wird, drängt sich für den Zweck dieser Arbeit auf, denn das ist die pragmatischste Lösung; die in der Praxis gesuchten Lösungen werden meist primär nach Funktionalität ausgewählt, Funktionalität entspricht also der in Abschnitt 2.2 angesprochenen Hauptanforderung, die der Garant für das schnelle Finden von Lösungen ist. Die entwickelte Strukturierung ist hierarchisch gegliedert, das heißt, dass sich gefundene Funktionsklassen durch Unterklassen genauer spezifizieren lassen. Das bringt entscheidende Vorteile:

Praxisorientierung:
Der wichtigste Vorteil einer funktionalen Klassifizierung von CSCW-Systemen ist der Praxisbezug. Diese Arbeit soll explizit ein Leitfaden für Nicht-Spezialisten sein, also muss vor allem die Kategorisierung auch von einem Nicht-Spezialisten verstanden werden. Verstehen ist aber nicht die einzige Anforderung, anhand der gewählten Strukturierung soll man sich auch gut orientieren können und letztendlich eine passende Groupware-Lösung finden, die den vorhandenen Anforderungen genügt. Als Strukturierungsmittel dient die Funktionalität, weil sie die Eigenschaft ist, die in der Praxis am meisten gebraucht wird.
Übersichtlichkeit:
Die funktionale Einteilung ist übersichtlich, weil sie eindimensional ist. Auf einen Blick kann man sich über die verschiedenen Kategorien informieren. Die hierarchische Gliederung mit Unterkategorien erlaubt es, dort wo spezielles Interesse besteht nachzusehen und tiefer in die Materie einzusteigen; andere Funktionen, die nicht gewünscht werden bleiben außen vor. So kann jeder Benutzer seine eigene Sicht auf Groupware-Systeme gewinnen.
Schnelles Finden von Lösungen:
Natürlich begünstigen die ersten zwei Vorteile auch das schnelle Finden von Lösungen. Im Unterschied zu anderen Klassifizierungen wurde dieses Schema auch mit dem expliziten Ziel entwickelt, Lösungen schnell zugänglich zu machen. Die klassischen Ansätze stammen alle aus dem Forschungsbereich CSCW und ordnen dort die Groupware-Systeme ein, dieser Ansatz geht so gesehen den Weg von der Praxis zurück zu CSCW.
Flexibilität:
Mit Flexibilität ist gute Anpassbarkeit an den Groupware-Markt gemeint; das heißt, falls eine neue Generation von Groupware-Systemen auf den Markt kommen wird, die vollkommen neue Funktionen bietet, so kann man die Klassifizierung erweitern, ohne die bestehenden Klassen verändern zu müssen: Entweder es kommt eine neue Hauptklasse hinzu, oder es werden Unterklassen ergänzt. Falls eine Funktionsklasse ausstirbt, kann das entweder eine Oberklasse betreffen oder Unterklassen. Diese werden dann entfernt, beeinflussen aber ihre Nachbarklassen nicht.

Folgende Strukturierung, wie sie auch in der folgenden Abbildung illustriert ist, ist für diese Arbeit gewählt worden:

Abbildung: Funktionale Einteilung von CSCW-Systemen

Nachrichtenaustausch:
Der Austausch von Nachrichten ist wohl die wichtigste Anforderung, die heute an Groupware-Systeme gestellt wird. Dabei geht es meist um Textnachrichten, aber auch Audio- und Videobotschaften sind mit der richtigen Hardware-Ausstattung kein Problem mehr. Der Bedarf an Kommunikation spiegelt sich etwa im steigenden E-Mail-Aufkommen wieder, denn E-Mail ist heute die beliebteste Art des rechnergestützten Nachrichtenaustausches. Wichtig ist, dass es sich beim Nachrichtenaustausch um eine Form der expliziten Kommunikation handelt, die meist direkt stattfindet: Der Sender überträgt die Nachricht speziell für den Empfänger, bestimmt also explizit, an wen die Nachricht gehen soll. Im Bereich Nachrichtenaustausch gibt es aber auch Formen der indirekten Kommunikation. Dabei werden an gemeinsamen Informationsobjekten Änderungen vorgenommen. Ein Empfänger erlangt Kenntnis von einer Aktion, ohne dass der Sender explizit dafür sorgt. Ein Beispiel wäre ein Web-Forum, in dem Nachrichten implizit ausgetauscht werden.
Informations- und Dokumentenverarbeitung:
Im Unterschied zum Nachrichtenaustausch versteht man unter Informationsverarbeitung stets eine Form der impliziten Kommunikation. Ein wichtiges Kriterium der Informationsverarbeitung ist die gemeinsame Nutzung derselben Daten durch die Gruppenmitglieder; hier verschwimmt leider auch die Grenze zum Nachrichtenaustausch, denn die oben angesprochene indirekte Kommunikation funktionert genau so. In der Praxis spricht man hierbei oft von "Shared Information". Hier geht es neben dem Transfer von Wissen und Tatsachen auch um das Festhalten von Ergebnissen der Gruppenarbeit. Vorstellbar wäre etwa eine gemeinsame Datenbank, oder ein Hypertextsystem, das die Informationen untereinander sinnvoll verknüpft. Bei der gemeinsamen Verarbeitung von Information trifft man in der Praxis sofort auf gemeinsame Dokumentenverarbeitung. Diese reicht von der Möglichkeit des gemeinsamen Zugriffs bis zur gemeinsamen Bearbeitung, etwa in einem Gruppeneditor.
Gruppen-Planung:
Die dritte wichtige Säule der funktionalen Einteilung ist die Gruppen-Planung. Dabei geht es zum einen um die Planung hochstrukturierter Abläufe, etwa das Workflow-Management, zum anderen aber auch um semi-strukturierte Aufgaben, etwa die Terminplanung oder um unstrukturierte Planungen, etwa in ToDo-Listen.



Unterabschnitte

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joerg 2003-04-13