Tippt man den Begriff ,,Groupware`` in eine Internet-Suchmaschine ein, so wird man von der Anzahl der gefundenen Web-Seiten förmlich erschlagen. Allein Google liefert auf Anhieb etwa 581.000 gefundene Beiträge zum Stichwort ,,Groupware``. Die weite Verbreitung des Begriffs liegt wohl daran, dass Ende der 90er Jahre Groupware ein Modewort der Software-Branche war, ähnlich wie heute das Schlagwort ,,Web-Dienste`` durch die Welt geistert, ohne dass sich Software-Hersteller Gedanken über die eigentliche Bedeutung des Begriffs machen, denn konkrete Definitionen gibt es sehr wohl dafür.
Um zu verstehen was Groupware eigentlich ist, sollte man auf die Ursprünge zurückgehen. Dabei trifft man automatisch auf den Begriff Computer Supported Cooperative Work, kurz CSCW. Groupware und CSCW werden oft fälschlicherweise als Synonyme gebraucht, dabei gibt es eindeutige Begriffsabgrenzungen. In [2] findet sich eine Auswahl anderer gebräuchlicher Begriffe für CSCW. Beispiele sind Workgroup Computing, Collaborative Computing oder Computer-Mediated Communication.
Beide Begriffe, CSCW und Groupware, wurden in den frühen 80er Jahren geprägt. Ihnen liegt der Begriff ,,Gruppenarbeit`` zu Grunde. Nach [4] versteht man unter Gruppenarbeit die Summe aller aufgabenbezogenen Tätigkeiten, welche von Gruppenmitgliedern ausgeführt werden, um zielbezogene Aufgaben zu erfüllen und somit Gruppenziele zu erreichen.
In dieser Arbeit wird CSCW im Sinne von Greif und Cashman verwendet. In [2] ist das folgendermaßen formuliert:
CSCW ist auch die Bezeichnung für ein Forschungsgebiet, im deutschsprachigen Raum wird es oft ,,Computerunterstützte Gruppenarbeit`` oder ,,Rechnergestützte Gruppenarbeit`` genannt. ,,Computergestützte Gruppenarbeit ist disziplinübergreifend; es verschmilzt Informatik, Kommunikationstechnik, Informationssysteme, Soziologie und Organisationstheorie``.
Um die Groupware-Definition vollständig zu verstehen, ist der in der Informatik übliche Begriff eines Systems wichtig. Unter einem System versteht man nach [6] die Zusammenfassung mehrerer Komponenten zu einer als Ganzes aufzufassenden Einheit. Die Komponenten können von gleicher Art oder sehr unterschiedlich sein. Ein Computer-System kann etwa die Zusammensetzung von einem Hard- und Software-System sein. Ein System löst oder bearbeitet in der Regel ein wohldefiniertes Bündel von Aufgaben.
Im Unterschied zu CSCW bedeutet Groupware nach [2]:
Im Vordergrund stehen also die Aspekte einer gemeinsamen Aufgabe. Als Synonym für Groupware kann CSCW-System verwendet werden. Zwar ist diese abstrakte Definition für wissenschaftliches Arbeiten sehr gut geeignet, sie bringt aber auch Nachteile: Es sollte unmittelbar einsichtig sein, dass unter die bisher vorgenommene Charakterisierung von Groupware sehr viele Systeme unterschiedlichster Couleur fallen. Eine Herausforderung an diese Arbeit ist deren Strukturierung in Abschnitt 2.
Einige zusätzliche Charakteristika sollen dabei helfen, den Begriff der CSCW-Systeme zu festigen und einzuschränken: Nach Ellis gilt, dass CSCW-Systeme zusätzlich eine Schnittstelle zu einer gemeinsamen Umgebung bereitstellen. Mit der oben eingeführten Erkenntnis der gemeinsamen Aufgabe lässt sich ein erstes Spektrum abbilden.
In obiger Abbildung1.1 ist ein Koordinatensystem zu sehen, das aus den Achsen ,,gemeinsame Aufgabe`` und ,,gemeinsame Umgebung`` besteht. In das Koordinatensystem werden bestehende Groupware-Produkte eingeordnet. Auf den ersten Blick sieht man, dass es viele Systeme gibt, die alle der Groupware-Definition genügen. Trotzdem stellen sie sehr unterschiedliche Funktionalitäten zur Verfügung.
Ein weiteres Merkmal von Groupware ist, dass Gruppenmitglieder nicht voneinander isoliert sind, sie werden sogar explizit über ihre gegenseitige Existenz informiert. In der Terminologie der CSCW-Systeme, etwa in [2] Abschnitt 2.6.5, wird dieses Merkmal auch als Gruppenbewusstsein oder englisch ,,Group Awareness`` bezeichnet.
In der Aufgabenstellung ist explizit von der Untersuchung von Open-Source-Groupware die Rede. Der Begriff ,,Open-Source`` wird in diesem Zusammenhang als Gegensatz zu proprietärer Software verwendet. Dabei wird nicht, wie in der Praxis üblich, zwischen Open-Source und freier Software unterschieden, wie es die Free Software Foundation1.2 fordert. Open-Source-Software ist in dieser Arbeit durch zwei Charakteristika gekennzeichnet:
Mehr zu dieser Thematik findet sich bei Eric S. Raymond1.3 und in den Bestimmungen der GNU General Public License.